Cora Frölich

Besser als ihr Ruf

Corona hat so manche Pläne zunichte gemacht. Gerade für junge Leute ist die Zeit nicht einfach, ist doch ihr soziales Leben quasi völlig eingestellt. Manchmal hat das aber auch was Gutes. Beispielsweise, wenn die Tafel Maintal Menschen braucht, die mit anpacken. Cora und Roberto (beide 19 J.) folgten dem Aufruf.

Glaubt man der landläufigen Meinung, so ist die sog. Generation Z konsumorientiert, unpolitisch, lebt ausschließlich nach dem Lustprinzip und hängt ständig am Smartphone. Dass sie jedoch weit besser als ihr Ruf ist, beweisen die vielen jungen, freiwilligen HelferInnen, die gerade jetzt in der Corona-Zeit bei vielen Tafeln in Deutschland mit anpacken.

So auch bei der Tafel Maintal. Wie bei so vielen anderen Ausgabestellen mangelt es dort an Manpower, denn viele der meist älteren Ehrenamtlichen können aufgrund der Corona-Pandemie nicht aktiv im Einsatz sein. Schließlich gehören sie zur Risikogruppe. Was also tun, um die vielen Tafelbesucher nicht völlig im Stich zu lassen? Wolfgang Kampe von der Tafelleitung suchte nach Freiwilligen – und wurde fündig. Zwei, die sich meldeten, waren Cora Frölich und Roberto Romeo.

Mit anpacken statt Langweile

Für Cora ist Ehrenamt nichts Neues. Nach dem Abitur begann sie im August 2019 ein soziales freiwilliges Jahr im französischen Niederbronn-les-Bains nahe Straßburg. Vormittags organisierte sie die Schulbibliothek, am Nachmittag Events im Kulturzentrum. „Das war richtig abwechslungsreich“, sagt Cora. Leider kam Corona dazwischen. Im März musste sie zurück nach Hause und erst einmal in Quarantäne. Und auch Abiturient Roberto war zeitgleich nach der schriftlichen Prüfung in die Corona-Zwangspause geschickt worden.

Aber Zuhause sitzen und nichts tun, das liegt den beiden 19-jährigen nicht. „Ich wollte etwas Sinnvolles tun, etwas, das bedürftigen Menschen unmittelbar hilft. Bei der Tafel tut man genau das und gleichzeitig leistet man einen Beitrag gegen Lebensmittel-verschwendung und für Nachhaltigkeit“, erklärt Cora. Seit April ist die junge Maintalerin jetzt jeden Tag vor Ort. Sie erledigt Arbeiten am PC, hilft beim Sortieren von Lebensmitteln und bei der Ausgabe.

Auch Roberto hatte den Presseartikel der Tafel gelesen. „Ich fand schon immer gut, dass es die Tafel gibt, weil sie sich für eine bessere Gesellschaft einsetzt. Daher nutzte ich die Gelegenheit, jetzt auch mal selbst was für andere zu tun.“ Seit April hilft er u.a. dabei, dass bei der Freitagsausgabe der Sicherheitsabstand eingehalten wird, um Ansteckungen zu vermeiden. Zusätzlich unterstützt er das Team beim Abholen von Lebensmitteln.

Respekt. Respekt.

Beide Jugendliche sind von den Erfahrungen, die sie bei der Tafel machen, ziemlich beeindruckt „Das Engagement der Tafel wird von den meisten unterschätzt. Dahinter steht ein enormer organisatorischer und logistischer Aufwand“, erklärt Cora. Mindestens vier bis fünf HelferInnen seien täglich im Einsatz, um den Betrieb am Laufen zu halten. Lohn gäbe es ja keinen. Oder doch: Wenn Besucher sich für die Unterstützung mit einem Lächeln und einem herzlichen Dankeschön bedankten, gebe das unheimlich viel zurück.

„Also ich finde es bewundernswert, dass so viele Aktive schon seit vielen Jahren mit dabei sind. Unermüdlich. Tag für Tag. Ich habe hier überhaupt sehr liebe, besondere Menschen kennenlernen dürfen. Da kann ich nur sagen: Respekt. Respekt“, ergänzt Roberto. Er und Cora sind sich einig: „Wir können anderen jungen Leuten nur empfehlen, auch mal bei der Tafel mitzuarbeiten. Man bekommt einen neuen Blick auf die Welt und Spaß macht es außerdem.“

Roberto will nach der mündliche Abiturprüfung Schauspieler werden. Daher bewirbt er sich gerade deutschlandweit um einen Platz an einer der staatlichen Schauspielschulen. Cora will ab Herbst Stadt- und Raumplanung studieren – vielleicht in Weimar, Berlin oder Dortmund – je nach Studienplatzsituation. Das Tafelteam wird die beiden sehr vermissen. Das steht jetzt schon fest.

Interesse?
Viele ehrenamtliche HelferInnen bei der Tafel wie auch der Bürgerhilfe sind älter. Das ist schon allein auf der Tatsache begründet, dass Rentner mehr Zeit haben als z.B. Berufstätige. Gerade jetzt in Krisenzeiten zeigt sich jedoch, wie wichtig das Miteinander der Generationen ist. Du hast Interesse, auch einmal bei der Tafel hineinzuschnuppern und mitzuhelfen? Flexibilität in Engagement und Einsatzumfang ist gewährleistet. Ruf einfach an bei der Tafel Maintal unter T 06181 43 86 29. Informationen gibt es auch auf https://tafel-jugend.de.