Wunschgroßeltern-Projekt mit neuer Leitung

Vor kurzem übernahm Doris Brender-Arnd die Leitung des Projekts Wunschgroßeltern. Für sie ist das eine Herzensangelegenheit.

Das Wunschgroßeltern-Projekt der Bürgerhilfe gibt es bereits seit 2006. Unter der Leitung von Gründerin Renate Stark vermittelte es in den vergangenen Jahren viele erfolgreiche Kontakte zwischen Familien und der älteren Generation. Nun übernahm Doris Brender-Arnd das Ehrenamt. Wir sprachen mit der engagierten Maintalerin.

Redaktion: Frau Brender-Arnd. Sie sind seit 2001 aktives Mitglied der Bürgerhilfe. Was reizt sie an der neuen Herausforderung?

Brender-Arnd: Das Wunschgroßeltern-Programm ist eine großartige Möglichkeit für Familien wie auch Senioren miteinander in Kontakt zu kommen. Beide Teile profitieren. Das wollte ich tatkräftig mit meinem Engagement unterstützen.

Redaktion: Wie sieht es denn aus mit dem aktuellen Bedarf an Vermittlungen?

Brender-Arnd: Nun, gerade in Großstädten leben viele Eltern mit Kindern, die ohne die Unterstützung von leiblichen Großeltern auskommen müssen, weil diese bspw. weit entfernt leben. Auch die Zahl der berufstätigen bzw. alleinerziehenden Eltern ist hoch. Den Kindern fehlen wichtige Ansprechpartner und Vorbilder. Und was die Senioren angeht: Auch hier haben einige Enkel, die weiter entfernt wohnen. Andere haben zwar keine, doch auch sie lieben Kinderlachen und fühlen sich zu jung für das alte Eisen, suchen eine sinnvolle Aufgabe, die Spaß macht.

Redaktion: Welche Voraussetzungen sollten Ersatzgroßeltern mitbringen?

Brender-Arnd: Sie sollten mit Kindern klarkommen und gern Zeit mit ihnen verbringen. Ein Buch vorlesen, im Sandkasten Burgen bauen, Mensch-ärgere-dich-nicht spielen oder im Advent Plätzchen backen – eben Dinge mit ihnen unternehmen, für die Eltern im Alltag oft wenig Zeit haben. Vieles ist möglich und sollte allen Beteiligten Freude machen. Wie, wann und wie lange ist jedoch stets eine Sache der gegenseitigen Absprache. Die Senioren sind keine kostenlosen, jederzeit verfügbaren Babysitter. Wir wollen vielmehr die Generationen zusammenbringen. Das erfordert von beiden Seiten ein bisschen Mut, Respekt und Einfühlungsvermögen.

Redaktion: Erklären Sie das bitte näher.

Brender-Arnd: Manche Senioren sind zunächst etwas unsicher. Zum einen gibt es viele Möglichkeiten, sich ehrenamtlich zu engagieren. Sie wollen sich vielleicht erst einmal ausprobieren und nicht gleich langfristig festlegen. Manche haben auch die Sorge, dieses Ehrenamt nicht gut genug zu machen. Auch, wenn man sich vielleicht auf Anhieb sympathisch ist, die Chemie stimmt, weiß man ja nicht gleich von vornherein, ob alles so funktioniert, wie man sich das wünscht.

Und da sind wir da. Wir helfen dabei, dass der neue Kontakt ein Gewinn wird. Wir führen beispielsweise mit allen Beteiligten erst einmal intensive Gespräche. Wenn alles passt, bringen wir beide – Familie und Senior – für ein erstes Schnuppertreffen miteinander in Kontakt. Und nachher lassen wir auch niemanden allein. Wir veranstalten regelmäßige Treffen zum Erfahrungsaustausch, und wer sie braucht bekommt fachliche Unterstützung von Verena Strub, die bereits seit Jahren als Sozialpädagogin das Projekt erfolgreich mit betreut.

Redaktion: Was bewegt die Familien, die sich bei ihnen melden?

Brender-Arnd: Nun, die Eltern wünschen sich für ihre Kinder das, was sie in ihrer eigenen Kindheit hatten: nämlich liebe Großeltern, mit denen sie schöne Erinnerungen verknüpfen, von denen sie beispielsweise stricken oder schwimmen lernten, die Ihnen Geschichten vorlasen, die Blumen auf der Wiese erklärten. Und es ist natürlich auch eine große Erleichterung, einen Ansprechpartner zu haben, jemanden, der zuhört, für den die Kinder genauso wichtig sind, auf dem man sich bei Bedarf verlassen kann. Na, und die Kinder finden es natürlich super, wenn sich jemand für sie Zeit nimmt, ihnen zuhört und Zuwendung schenkt.

Redaktion: Und die Senioren?

Brender-Arnd: Die Senioren schaffen sich im Gegenzug eine neue Zugehörigkeit, etwas Abwechslung, die als wohltuend und bereichernd empfunden wird. Eine Einbahnstraße soll die Beziehung ja nicht sein. Kleinere Hilfestellungen, Wertschätzung und Anteilnahme – auch die Familien sind bereit, etwas von sich zu geben. Inzwischen gibt es sogar Ersatzomas und -opas, die bis heute Kontakt zu den Kindern haben, obwohl diese schon erwachsen sind.

Redaktion: Haben sie Pläne für die Zukunft?

Brender-Arnd: Derzeit sind 24 Wunschomas und -opas aktiv. Wir haben auch ein Ehepaar, das sich gemeinsam um zwei Kinder kümmert. Und weil das so erfolgreich läuft wollen wir das Projekt natürlich führen. Interessierte Familien und Senioren können daher jederzeit mit uns Kontakt aufnehmen.

Wir danken Frau Brender-Arnd und wünschen ihr alles Gute für die kommende Zeit.

Veranstaltungshinweis: Am 31. August findet das jährliche Sommerfest der Wunschgroßeltern statt. Ort: Familienzentrum Bischofsheim, Start: 15h

Foto: Doris Brender-Arnd, 69 J., kümmert sich ab sofort bei der Bürgerhilfe in Maintal darum, dass Kinder „Ersatz“-Großeltern finden und umgekehrt.